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in Indien e.V.
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(gemeinnütziger Verein)
Fesenfeld 57
28203 BREMEN
GERMANY
26. November 1997
1. mailbox : kindergarten@kindergarten.org
2. mailbox : regge@regge.com
main homepage is: http://www.kindergarten.org
2nd homepage is: http://www.regge.com
Tel.: (49) 0 - 421 - 71111
(Roswitha u. Hans-J. Regge sowie eine Reihe Freunde) (B_BER_97)
An
Freunde, Kollegen,
Nachbarn, Interessierte, Bremen, den 27.11.1997
RADIO-BREMEN-Hörer,
Buten & Binnen - Seher und die Leser des
WESER-KURIER !
Sehr geehrte Damen und Herren !
Aktueller Bericht aus Bombay
In den letzten zwei Wochen wurden in verschiedenen Slumgebieten in Bombay über 2500 Kinder gegen Kinderkrankheiten geimpft. Fast 1200 Kuscheltiere, die uns viele deutsche Kinder geschickt hatten, sind verteilt worden. Wir danken den vielen Spendern in Deutschland, die diese und die die Aktionen in den nächsten Wochen erst ermöglicht haben!
Im Detail:
Am 4. Oktober traf ich in Bombay mit ca. 80 Kg Gepäck in Bombay ein ( Dank an KLM und Northwest Airlines für den kostenlosen Transport !) Hier in Bombay bebte nachts die Erde: nein- kein Erdbeben!- es wurde getanzt: Dandiya- heiße (indische) Musik an jeder Ecke (dandiya - hier mal klicken !), die Arme und Beine wirbelten nur so durch die Luft. Karneval in Rio dürfte da kaum mitkommen! In den nächsten Tagen konnten trotz Ermattung Termine für "vaccination camps" festgelegt werden, es wurden Impfstoffe, Fiebertabletten, Spritzen bestellt sowie noch ca. 1000 Zahnbürsten eingekauft. Am 9. Oktober ging es dann erstmalig los : In der Praxis von Dr. Deepak Thakkar (bekannt durch Radio Bremen TV & internet), die mitten in einem Slumgebiet in einem Vorort von Bombay liegt. Die Anwohner waren durch verteilte Zettel und Mundpropaganda bereits informiert worden. Nachdem nun die ersten geimpften Kinder in der neu gedruckten Impfkarte sowie einem Teddy im Arm aus der Mini-Praxis ( 2 x 4 Meter mit Blechdach und Sonne obendrauf) herauskamen, gab es kein Halten! Jeder wollte der/ die erste sein, und in den Raum auch noch hinein. Jemanden klarzumachen, daß zunächst auch jemand aus den vollen Raum heraus muß, damit der nächste herein kann, stößt in Indien wohl meist auf Unverständnis...Hier war, wie auch bei den folgenden Aktionen, wo fast immer nur eine Tür zur Verfügung stand, alle Kraft zur Regulierung erforderlich. Es zeigte sich auch regelmäßig, daß ortsansässige "Türsteher" sozialen Verpflichtungen unterworfen sind: Wer kann schon seinem Schwager, dem angesehenen Nachbarn oder gar dem Ladenbesitzer von Gegenüber den Zutritt verwehren, auch wenn wirklich nichts mehr geht! Hin und wieder mußte ich aus den genannten Gründen regulierend eingreifen, auch z. B dann, wenn- wie von uns verlangt- zur Hälfte Mädchen eingelassen wurden. Drinnen (das neu angebrachte Thermometer zeigte über 40 Grad) wurden pausenlos Spritze aufgezogen und gegeben, Impfkarten ausgefüllt, Daten in Listen eingetragen (= absolutes Neuland), Kinder Eltern zugeordnet und Instruktionen gegeben: Die Kinder bekommen nach bestimmten Impfungen regelmäßig für einen Tag etwas Fieber, was normal ist. War alles geschafft, bekam jedes Kind entweder ein Kuscheltier oder - die Größeren - eine Zahnbürste. Dann begann allerdings erst das Problem: Wie wieder hinaus aus dem Raum, wo so viele doch herein wollten...(s.o)! Irgendwie ging es aber doch immer wieder weiter, und insgesamt konnten wir in den letzten Tagen über 2500 Kinder von indischen Ärzten impfen lassen, und zwar je nach Bedarf gegen MMR, DPT, Tetanus oder Rubella (= Röteln, die hier übrigens "German Measles" heißen). Zusätzlich erhielt fast jedes Kind zusätzlich je nach Bedarf die bekannte Polio-Schluckimpfung gegen Kinderlähmung. Auffrischungs-Schluckimpfungen oberhalb von 5 Jahren sind hier kaum üblich, wurden aber nach kurzen Diskussionen dann doch gegeben.
Lebensumstände in einem Slum
Kein fließendes Wasser in den Häusern, das wird von einer öffentlichen Zapfstelle in Gefäßen nach Hause getragen, kein Bad, keine Toilette, ein Raum für die gesamte Familie, ein Petroleumkocher, einige Töpfe, keine Betten (Matten werden abends ausgerollt), Blech -oder Asbestdach auf der Hütte ohne Isolierung & und Sonne obendrauf. Die Umstände außenherum (Kanalisation, Müllabfuhr, Straßen) möchte ich nicht näher beschreiben und auf entsprechende Fotos habe ich verzichtet. Das Einkommen pro Familie liegt in der Größenordnung von 50,- DM bis 100,- DM pro Monat.
Wie soll es weitergehen:
Wir werden in den nächsten Wochen noch weitere Impf-Camps nach dem bewährten Schema veranstalten. Die Durchführung ist zunächst gesichert durch die vielen kleinen und eine große Spende. Hierfür möchten wir uns noch einmal ganz herzlich bedanken! Für weitere gleichartige Aktionen müssen wir natürlich Impfstoffe etc. kaufen- pro Kind brauchen wir etwa soviel, wie eine Schachtel Zigaretten kostet. Vielleicht können sie ja eine Fotokopie unseres Berichts bei passender Gelegenheit weiterreichen! Mit freundlichen Grüßen aus dem heißen Bombay ( 2300h/ noch 32 Grad) Hans-Joachim Regge
Vor wenigen Tagen bin ich aus Indien zurueckgekommen - es wurden insgesamt sieben Impf-Camps im Oktober/November 97 durchgefuehrt. Insgesamt konnten rund 3000 Kinder ( davon 2500 in Bombay und 500 in Goa ) durch indische Aerzte geimpft werden. ( = rund 13000 Kinder in drei Jahren) Die Kosten: Pro Kind unter 3.- DM. Nachtrag Jan 1999: jetzt sind wir bei 16500 Kindern ! Nachtrag Dezember 1999: jetzt sind wir bei 24000 Kindern !
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